Jetzt steht sie da. 1,40 × 1,40 Meter. Voll mit Flieder und Lila.
Ausgerechnet diese Farben. Ich verwende sie selten, und für diese Leinwand hatte ich sie überhaupt nicht im Kopf. Trotzdem sind sie jetzt da, auf einer Fläche, an der ich kaum vorbeisehen kann. Und ich mag, was daraus geworden ist. Auch wenn ich lange versucht habe, etwas anderes daraus zu machen.
CHANGE’S GRACE hat mich einiges an Überwindung gekostet. Ich habe immer wieder übermalt, verändert, gehadert. Kaum dachte ich, jetzt könnte es passen, war da wieder dieses Gefühl: Es ist noch nicht das, was ich suche. Also weiter. Wieder etwas wegnehmen, wieder etwas hinzufügen. Und irgendwann zweifelst du nicht mehr nur am Bild, sondern auch an dir.
Warum bekomme ich es nicht hin? Warum fühlt sich das so schwierig an?
Beim Malen merke ich besonders deutlich, wie schwer es mir manchmal fällt, meine eigene Vorstellung loszulassen. Ich möchte offen sein für das, was entsteht. Gleichzeitig habe ich ein Bild im Kopf und versuche, die Leinwand genau dorthin zu bringen. Auch dann noch, wenn sich längst etwas anderes entwickelt.
Bei CHANGE’S GRACE waren es diese Fliedertöne, die immer mehr Raum eingenommen haben. Farben, bei denen ich sonst vermutlich weitergegangen wäre. Die ich nicht unbedingt mit meiner eigenen Malerei verbunden hätte. Und plötzlich musste ich mich fragen: Gefällt mir das wirklich nicht? Oder ist es einfach ungewohnt, so etwas von mir zu sehen?
Diese Frage beschäftigt mich seitdem.
Vielleicht kommt dieses Hadern manchmal genau dann, wenn ein neuer Entwicklungsschritt ansteht. Wenn das Vertraute nicht mehr ganz reicht, du aber noch nicht weißt, womit du dich stattdessen wohlfühlst. Dann fehlt dir für eine Weile die Sicherheit. Du probierst etwas aus und beurteilst es gleichzeitig nach dem, was du bisher von dir kennst.
So geht es dir vielleicht auch außerhalb einer Leinwand. Du hast etwas geplant, dir Mühe gegeben, eine bestimmte Richtung eingeschlagen. Dann verändern sich deine Wünsche oder es ergibt sich eine Möglichkeit, mit der du nie gerechnet hättest. Und obwohl dich etwas daran anzieht, hältst du an deinem Plan fest. Schließlich hast du ihn dir einmal aus gutem Grund gemacht.
Ich glaube, du darfst dir Zeit nehmen, bis du etwas Neues annehmen kannst. Du musst nicht jede Veränderung sofort schön finden. Manchmal gehört es dazu, erst zu zweifeln, sich zu ärgern und sich von einer Vorstellung zu verabschieden, an der viel hing.
Meine Leinwand ist jetzt fliederfarben. Das hätte ich am Anfang sicher nicht so entschieden. Heute bin ich froh, dass ich es irgendwann zugelassen habe.
Vielleicht darf etwas zu dir passen, das du bisher nie mit dir verbunden hättest.

