Ich habe schon viele Jahre gestaltet und gemalt. Zwischen 2018 und 2024 führte ich einen eigenen Etsy-Shop, arbeitete mit Aquarell, entwickelte Illustrationen und Designs und gab Workshops.
Ich war also nie weit weg von Farbe und Gestaltung.
Und trotzdem fühlte sich das, was später kam, anders an.
Als ich aufgehört habe, vorher wissen zu wollen, was entsteht
Im August 2024 begann ich, abstrakt zu malen.
Nicht mit dem Gedanken, jetzt einen bestimmten Stil entwickeln zu müssen. Und auch nicht mit einem fertigen Bild im Kopf.
Mich hat vielmehr diese Freiheit fasziniert, nicht abbilden zu müssen, was ich sehe.
Plötzlich konnte Farbe etwas ausdrücken, das sich viel schwerer in Worte fassen ließ.
Ein Gefühl. Eine Erinnerung. Eine innere Veränderung. Etwas, das mich beschäftigt, obwohl ich selbst vielleicht noch gar nicht genau weiß, warum.
Und genau dort habe ich gemerkt: Das ist meine Sprache.
Meine Kunst wurde immer mehr zu mir
Mit der Zeit habe ich angefangen, vieles wegzulassen, was sich für mich zu glatt oder zu geplant angefühlt hat.
Heute male ich auf roher Baumwolle. Ich baue meine Keilrahmen selbst und arbeite mit Acryl, Pastell- und Ölkreide. Ich übermale, verwerfe, lasse alte Schichten durchscheinen und Spuren stehen.
Nicht jede Linie muss perfekt sein. Nicht jede Fläche muss gefüllt werden.
Und ich weiß am Anfang einer Leinwand selten genau, wie sie am Ende aussehen wird.
Vieles entsteht intuitiv.
Manchmal verstehe ich sogar selbst erst nach dem Malen, worum es in einem Werk eigentlich geht.
Irgendwann ging es nicht mehr darum, schöne Bilder zu malen
Je mehr ich meinen eigenen Weg gefunden habe, desto weniger wollte ich einfach etwas malen, das schön aussieht.
Mich interessiert, was darunter liegt.
Die Dinge, die wir fühlen und trotzdem nicht aussprechen. Das Festhalten und Loslassen. Unsere Wurzeln. Sehnsucht. Veränderung. Das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung und diese leise innere Stimme, die oft schon längst weiß, was richtig für uns ist.
Vielleicht entstehen deshalb Titel wie Facing Myself, Surrender, Unspoken Weight oder Soul’s Desire.
Der Titel kommt nicht einfach am Ende auf ein fertiges Bild.
Er gehört zur Geschichte des Werkes.
Und plötzlich wurden meine Leinwände gesehen
Was zunächst sehr persönlich begonnen hatte, fand irgendwann seinen Weg nach draußen.
Meine Arbeiten wurden ausgestellt, fanden ihre ersten Sammler und durften sogar international reisen. Drei meiner Werke wurden 2025 im Rahmen von Art Without Borders in Chongqing in China gezeigt. Weitere Ausstellungen und Kooperationen folgten.
Und trotzdem ist für mich etwas anderes viel wichtiger geblieben:
Wenn mir jemand schreibt, dass er sich in einer Leinwand wiederfindet.
Dass ein Werk etwas ausdrückt, wofür bisher die Worte gefehlt haben.
Oder dass eine Leinwand nicht mehr aus dem Kopf gegangen ist.
Denn genau darum geht es mir heute mit meiner Kunst.
Vielleicht finden wir unseren Weg nicht immer, indem wir ihn planen
Wenn ich zurückblicke, war mein künstlerischer Weg nicht geradlinig.
Und vielleicht musste er das auch gar nicht sein.
Vieles hat sich erst ergeben, weil ich angefangen habe, etwas auszuprobieren, ohne schon zu wissen, was daraus werden soll.
Heute entstehen daraus Leinwände, die etwas von mir tragen – aber nicht bei mir bleiben müssen.
Denn sobald jemand anderes vor einem meiner Werke steht, darf daraus eine ganz eigene Geschichte werden.
Vielleicht ist das für mich das Schönste an Kunst:
Ich beginne ein Werk mit meinem Gefühl – und irgendwann erkennt jemand anderes darin sein eigenes.

